SONNTAGSIMPULS 29.01.2023

4. Sonntag im Jahreskreis 2023

„Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.“ Mt 5.1

Lied

Selig seid Ihr (GL 458)

Tagesgebet

Herr, unser Gott, du hast erschaffen, damit wir dich preisen. Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten und die Menschen lieben, wie du sie liebst. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Evangelium

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. 2 Dann begann er zu reden und lehrte sie. 3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. 4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. 5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. 6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. 7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. 8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. 10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. 12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Betrachtung

Die letzte Betrachtung an dieser Stelle endete mit dem Gedanken des Ansehens, das Jesus schenkt, immer und überall. Das heutige Evangelium beginnt damit, das Jesus die Menschen sieht. Wenn es hier auch viele sind, aber es sind für ihn keine Nummern, er spricht nicht zur Menge, er wendet sich nicht an die Massen, er sieht die Menschen. Und er lässt sich sehen. Er will nicht gesehen werden im Sinne der Selbstdarstellung, sondern Matthäus verortet ihn auf dem Berg, d.h. dem Ort der Gottesbegegnung. Jesus geht es immer darum, dass Gott, den er seinen Vater nennt, zum Vorschein kommt. Und jetzt in seiner programmatischen Rede, sagt er, welchen das Himmelreich, das Reich Gottes, also die Nähe und Wirksamkeit Gottes besonders gehört: den Armen, Trauernden, Gewaltlosen, nach Gerechtigkeit strebenden, Barmherzigen, den Friedensstiftern. Sie alle sind zu beglückwünschen. Sogar dann, wenn sie auf dieser Welt unter die Räder kommen: beschimpft, verleumdet, verfolgt. Eine merkwürdige Logik. Gehört die Welt nicht vielmehr den Reichen, Mächtigen oder wenigstens den Stars, denen auf den Titelseiten …? Erfolg und Einfluss sind nichts Schlechtes. Damit lässt sich Positives bewirken. Doch die Worte Jesu zielen auf etwas anderes ab: was soll Gott denen geben, die alles selbst können? Sie sind reich, mächtig, auf niemand angewiesen. Es ist schwer auf dieser Welt gewaltlos, friedfertig, gerechtigkeitsliebend und Verfolgung zu riskieren und zu erleiden. Prophetenschicksal. Doch nicht nur in der Öffentlichkeit, auch im persönlichen Leben sind wir oft gerne wenigstens ein Bisschen mächtig, etwas reich, wenigstens ein Bisschen selbstgerecht, und ab und zu auch mal unbarmherzig, denn wo kämen wir denn hin, wenn … – Ja, wir wären und sind selig zu preisen, wenn wir vor Gott wirklich arm sind und merken, dass wir ihn brauchen!

Sr. M. Franziska v. Dohlen
Pastoralreferentin